Sportfotograf – ein cooler Job oder Anzeichen von Alkoholismus?

Sportfotograf – ein cooler Job oder Anzeichen von Alkoholismus?

Ganz einfach, Kamera einpacken, zum Sportereignis fahren, Fotos machen, Fotos versenden, FEIERABEND!!!!

Perfekt oder?

So oder so ähnlich denken sicherlich einige von Euch.

So einfach ist es natürlich nicht.

Es beginnt schon mit Kamera packen, allerdings habe ich eine Checkliste dafür, denn wenn man einmal die geladenen Akkus noch im Ladegerät zu Hause hat und 15 Kilometer wieder nach Hause fahren muss, lernt man daraus. Auch Ersatzakkus zu den Ersatzakkus hat man danach. Also Kameratasche gepackt, Speichermedien leer, Akkus voll, Laptop und Lesegerät eingepackt und ab geht es zur Sportveranstaltung.

Meistens bin ich eine Stunde vor dem Beginn der Veranstaltung da. Mannschaftsaufstellung und alles nötige besorgt. Bis dahin ist auch meist geklärt, welches Format die Zeitung haben will.

Smalltalk mit Spielern, Trainer, Betreuern und Offiziellen gehört natürlich bis zum Spielbeginn auch dazu.

Das Spiel geht los, sagen wir, es ist 20 Uhr und die Kamera rattert ab jetzt  ihre Bilder pro Sekunde runter. Jegliche Spielunterbrechung wird genutzt, um die letzten fotografierten Bilder sich anzuschauen. Meine Kamera hat zusätzlich ein wunderbares Feature, ich kann gleich vorab die Bilder direkt in der Kamera mit Sternen versehen, eine Art Vorauswahl. Dies erleichtert mir später etwas die Arbeit.

Pause! Je nachdem ob es eine Pause (Halbzeit) oder 2 Pausen (Drittelpause) oder gar 3 Pausen (Viertelpause) gibt entscheidet sich nun was ich in den Pausen mache. Eigentlich in der ersten Pause immer das gleiche, Pause 😉 und nebenbei schaue ich mir die bisherigen digitalen Ergebnisse auf meiner Speicherkarte an.

Das Spiel geht weiter, gleiches Prozedere, das rechte Auge an der Augenmuschel meiner Kamera, den rechten Zeigefinger am Auslöser und die linke Hand dreht das Objektiv immer vor und zurück. In den Spielunterbrechungen wird wieder das Material gesichert.

Ok, gleich ist wieder Pause, du musst 2-3 Bilder senden, der Redaktionsschluss in der Tageszeitung naht. Pause, Laptop aufgebaut, Speicherkarte in das Lesegerät, Internetverbindung aufgebaut. Verdammt, Internet funktioniert nicht, neuer Versuch, selbes Spiel, verdammte Halle, ja, da ist die Internetverbindung, verdammt, 3G-Modus, egal.

Bildbearbeitungsprogramm gestartet, die ausgewählten Bilder, beschnitten, Weißabgleich, Belichtung angepasst, entrauscht, nachgeschärft und zum Abschluss die Bildbeschreibung. SENDEN an Emailadresse und nun heißt es warten und Daumen drücken, dass das Senden erfolgreich über die Bühne geht. Nur noch 2 Minuten Pause und es dauert. Jawohl, endlich, Bilder erfolgreich gesendet. Alles eingepackt und ab an meine Stelle, es geht weiter. Wieder gleiches Prozedere. Die letzten Minuten laufen, ich mache mich fertig, jetzt kommt gleich der Teil der Emotionen. Sieg, Niederlage, Jubel, hängende Köpfe. Stumme Trainer, feiernde Fans, jubelnde Gästefans, die Mannschaft wird gefeiert, Spielerwahl, Shake-Hands, nichts darf verpasst werden.

Das Spiel ist aus, die Fans gehen nach Hause. Mein Job ist hier auch für mich getan.

Neee, ich bin noch lange nicht fertig, jetzt kommt die Arbeit!

Mittlerweile ist es im Beispiel schon 23:30 Uhr. Müdigkeit macht sich breit, bin ja schließlich seit 6 Uhr wach. Kalt ist mir, Rechner hochgefahren und einen Whisky geholt. Ich habe es mit Kaffee schon versucht, wärmt zwar, aber der putscht immer noch, wenn alles fertig ist!

Prost und ab die Speicherkarte ins Lesegerät, Bildbearbeitungsprogramm gestartet, Importfunktion.

gesamt_Bildgröße ändern

Nun erhalten die Bilder eine von mir eingegebene Verschlagwortung zum jeweiligen Spiel. Die Überschrift wird gesetzt und sonstige relevante Daten werden in der Maske „Import“ von mir gesetzt. Dies dauert so 10 bis 15 Minuten . Nun werden alle Bilder in den von mir vorgegebenen Pfad importiert und automatisch alle o.g. Fakten als Bildeigenschaft eingetragen. Dies erleichtert später ungemein das Wiederfinden der Bilder im Archiv. Dieser Import kann sich je nach Bildermenge bis zu 30 Minuten hinziehen. Zeit für mich eine Zigarette zu rauchen und mir einen Whisky zu gönnen, denn schließlich ist mir noch kalt.

Metadaten_Bildgröße ändern

So die 1234 Bilder sind im Pfad auf meiner Festplatte. Jetzt kann ich mir die bereits in der Kamera vorausgewählten Bilder anzeigen lassen. 60 Bilder, zu viel, also werden die 60 Bilder reduziert auf ca. 40 Bilder. Das ist so der Schnitt an Bildern, die ich dann auf meinen Blog präsentiere.

Ok, es ist ca. 00:30 Uhr, ein Whisky muss her, denn mir ist immer noch kalt!

Jetzt wird die Bildbearbeitung gestartet, jedes Bild wird einzeln gerade gerichtet und ein ordentlicher Beschnitt ist zwingend Pflicht! Dies dauert pro Bild 1 bis 2 Minuten.

Nun wird bei jedem Bild automatisiert der Kontrast optimiert und auch die Belichtung angepasst. Dies sind vorgegebene Werte von mir, basierend auf meine Erfahrungen der letzten Jahre. Einen Arbeitsschritt spare ich mir, den Weißabgleich, da ich diesen Wert schon manuell meiner Kamera vor dem Sportereignis gesagt habe. Da ich diesen Schritt mir gespart habe, ist Zeit für einen Whisky, denn wie ihr wisst, ist mir kalt.

Weitere 10-12 Minuten sind vergangen und die Uhr zeigt bald halb 2. Weiter geht’s. Nun werden die Bilder noch entrauscht und nachgeschärft.

Nach diesen Schritten ist wieder Handarbeit angesagt, die Bilder bekommen ihre Bildbeschreibung. Hier kann man manchmal verzweifeln, die Spieler der eigenen Mannschaft erkennt man meist ohne Probleme. Bei der Gastmannschaft sieht es oft schlechter aus. Manchmal ist die Trikotnummer nicht zu sehen bzw. das Gesicht. Jetzt hat man die Möglichkeit, den vakanten Spieler in allen Bildern des Tages zu sehen, bzw. die Szene sich auf dem Bildschirm im Detail anzuschauen oder man versucht den Spieler anhand seines Schläger oder Schlittschuh (beim Eishockey) zu identifizieren. Beim Fußball versuche ich es anhand der Frisur, an den Schuhen oder anhand von Tattoos den Spieler zu identifizieren. Glaubt es mir, es ist schwieriger als ihr denkt! Darauf einen Whisky!!!

Auch hier wieder  brauche ich im Schnitt ca. eine Minute für die Bildbeschreibung. Manche Bilder dauern Sekunden, aber wenn ich suchen muss, können schon 2-3 Minuten zusammen kommen.

Warum eigentlich eine Bildbeschreibung? Grundsätzlich wollen die Online- oder Printmedien eine Bildbeschreibung. Das verstehe ich, denn ohne Bildbeschreibung kann ein Bild wertlos werden. Auch hilft es ungemein in Google gelistet zu werden.

Fertig? Nix da. Nun wird automatisiert jedes Bild als Kopie verkleinert und mein Wasserzeichen drauf gelegt. Diese Bilder werden dann gleich auf meinem Blog (www.deddan.de/blog) hochgeladen.

Während des Hochladens wähle ich aus den 40 Bildern ca. 10 Bilder aus, die dann an alle relevanten Medien per Mail verschickt werden. Dies geht schnell, da ich jedes Bild schon x-mal angesehen habe. Mein Bildverarbeitungsprogramm erlaubt mir, vor dem Versenden, die Bilder in ein von mir vorgegebenes Format zu verkleinern. Da die Bildbeschreibung sowie Verschlagwortung in der Datei implementiert ist, wird alles mitgeschickt.

Nun ist die Hauptarbeit erledigt und alle Medien im Verteiler bekommen nun Post von mir.

Puh, nun einen Whisky drauf. Halb drei ist es mittlerweile.

Die Bilder sind derzeit auf meinen Blog hochgeladen und etwas Text sowie Statistik wird zu der Galerie geschrieben. Titelbild gewählt und ab zur Veröffentlichung.

Fertig! Die Veröffentlichung meiner Bilder in den Socialmedien wie Facebook, Twitter usw. erfolgt jetzt nicht mehr. Dies passiert nach dem verdienten Schlaf.

Eine Zigarette wird noch geraucht und ein Feierabendwhisky ist Pflicht.

Wir haben es 3 Uhr…. Gute Nacht!!!!

Fazit: Ist Sportfotograf nun ein cooler Job? Auf jeden Fall unterstützt man die Alkoholindustrie 😉

PS: um die Geschichte nicht so trocken wirken zu lassen, wurde der eine oder andere Whisky in die Geschichte eingebaut 😉

In diesem Sinne, Euer

SR-Logo_schwarz

 

 

 

 

 

 

 

 

Bis zum nächsten Whisky 😉