Stadtgottesacker Halle (Saale)

Am 07.07.2011 führte mich ein Besuch zum Stadtgottesacker in Halle (Saale), ein wunderschöner und historischer Friedhof. Zu der Geschichte des Stadtgottesacker findet ihr unter den Bildern.

 

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Der Stadtgottesacker ist eine Friedhofsanlage in der Stadt Halle an der Saale. Er wurde ab 1557 nach dem Vorbild der italienischen Camposanto-Anlagen, speziell des Camposanto in Pisa, errichtet und gilt als ein Meisterwerk der Renaissance nördlich der Alpen.

 

Im 16. Jahrhundert begann man in den Städten, die Toten außerhalb der Stadtmauern zu begraben. In Halle gab Landesherr Kardinal Albrecht 1529 den Auftrag, die alten innerstädtischen Begräbnisplätze aufzulösen.

 

Für den neu zu errichtenden Gottesacker wählte man den Martinsberg, der sich damals noch vor der Stadt befand. Die schon seit 1350 für Massenbestattungen in Pestzeiten dienende Fläche wurde mit einer Mauer umgeben, an der man ab 1557 nach Entwürfen des Stadtbaumeisters und Steinmetzes Nickel Hoffmann in über dreißigjähriger Bauzeit 94 Schwibbögen errichtete, die nach innen geöffnete Arkaden bildeten. Die Bögen wurden von Hoffmann selbst gestaltet und waren mit seinem Steinmetzzeichen versehen.

In den Arkaden befanden sich Grüfte, die mit kunstvoll geschmiedeten Eisen- oder Holzgittern abschlossen. Ursprünglich standen die Särge in den bis zu vier Meter tiefen Grüften sichtbar auf dem Boden. Um den gestiegenen hygienischen Ansprüchen im 19. Jahrhundert gerecht zu werden, wurden 1862 jedoch die meisten Grüfte mit Erde aufgefüllt.

Die Grüfte sind durchnummeriert und waren Eigentum der Stadt. Sie konnten aber von den Bürgern der Stadt Halle gemietet oder auch gekauft werden. Auf dem zunächst freien Feld im Innenraum der Anlage wurde erst ab 1822 bestattet. Nachdem später weitere Friedhöfe für die Einwohner der Stadt eingerichtet worden waren, entwickelte sich der Stadtgottesacker zum bevorzugten Begräbnisort der städtischen Oberschicht. Die Familien von Industriellen, Universitätsprofessoren, höheren Beamten und Offizieren fanden meist in Erbbegräbnissen ihre letzte Ruhe. Heute gibt es auf dem Friedhof etwa 2.000 Grabstellen. Nach einem längeren Verbot von Beisetzungen auf dem Stadtgottesacker können heute Urnen innerhalb der Friedhofsmauern bestattet werden.

Die Anlage wurde in den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs am 31. März 1945 durch Bomben schwer beschädigt und verfiel in den folgenden Jahrzehnten. Nach der Gründung einer Bürgerinitiative 1985 und der „Stiftung Stadtgottesacker“ begann man mit der Sanierung der denkmalgeschützten Anlage. Erst eine großzügige Privatspende aus dem Vermächtnis des Chemienobelpreisträgers Karl Ziegler erlaubte eine fast originalgetreue Rekonstruktion des gesamten Komplexes. Dabei konnten allerdings nur die Reliefs der Renaissance-Anlage kopiert werden, für die es Vorlagen gab.

Für knapp zwei Dutzend der 89 kunstgeschichtlich bedeutenden Reliefs gibt es keine Vorlagen mehr. Hier hat sich die "Bauhütte Stadtgottesacker" e.V. zum Ziel gesetzt, die verloren gegangenen Gruftbögen durch zeitgenössische Reliefgestaltungen zu vervollständigen. Dies geschieht in Zusammenarbeit mit den Denkmalschutzbehörden und ist einzigartig in Deutschland. Die so entstandenen Reliefs wurden 2007 mit dem höchsten Preis der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und des Steinmetzhandwerkes, dem Peter-Parler-Preis, ausgezeichnet. Die Zusammenarbeit ist zukunftsweisend, denn es gibt viele Denkmäler, bei denen Teile nicht mehr rekonstruiert werden können. Hier kann eine Ergänzung mit zeitgenössischen Arbeiten neue, spannende Einblicke bieten.

Die "Bauhütte Stadtgottesacker" wurde von engagierten Bürgern zu DDR-Zeiten gegründet und am 1. März 1990 als einer der ersten Vereine der Stadt eingetragen. Sie ist hervorgegangen aus dem Arbeitskreis Stadtgottesacker, weil Vereinstätigkeiten zu DDR-Zeiten nur sehr eingeschränkt und mit Zustimmung des Regimes möglich waren. Nach der Wende konnte die Arbeit intensiviert werden. Marcus Golter, der erste westdeutsche Student an der Hochschule für Kunst und Design Burg Giebichenstein in Halle hat den ersten Bogen mit modernen Reliefs dann 1998 als Diplomarbeit ausgeführt. Der Bildhauer und sein Team arbeiten noch heute dort. Quelle: KLICK